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Ohne Menschen

 

Plötzlich war die Verbindung weg. Ein kurzes Geschrei aus dem Funk, dann war Stille. Ich war sowieso gerade dabei mein kleines U-Boot langsam nach oben zu steuern. Was war da los gewesen? Warum hatten die die Verbindung gekappt? Als ich neben dem  Schiff auftauchte stand niemand an der Reling, um mein Boot an Bord  zu hieven. Ich rief und winkte, aber nichts geschah- nichts. Das große Schiff dümpelte träge vor sich hin. Ich schwamm  verärgert hinüber und  kletterte an der Ankerkette hoch zum Schiff.  Die Kleider, Schuhe, die Uhren und der Schmuck der Crew lag auf den Bootsplanken verteilt , aber sonst  schien alles normal an Deck, keine Zerstörung, keine Kampfspuren. Die komplette Besatzung fehlte einfach. Das Wasser rings um das Schiff war still und ruhig, kein Schwimmreif, kein Rettungsboot, keine Raubfische, kein Blut. Die Stille ringsum irritierte und ängstigte  mich. Der Bordfunk  schien einwandfrei zu funktionieren, aber niemand antwortete mir. “Mayday, Mayday, Mayday“, funkte ich, aber es gab keine Antwort. Warum antwortete keiner auf mein Notsignal? Das Radio neben dem Funk funktionierte offenbar. Es spielte irgendwelche Klassikkonserven. Über drei Stunden wartete ich und hielt Ausschau, ob die anderen von  irgendwoher wieder zurück  kämen.Das Rettungsboot war noch an Bord. Es würde bald Abend werden. Ich musste das Schiff jetzt Richtung Küstenwache zurück steuern. Hinter jeder  kleinen Welle auf dem Meer vermutete ich Will, Rob, Leia oder Klaus, aber jedes Mal wenn man genau hinschaute, dann war da nichts. Ich ankerte vor dem  Bootssteg der Küstenwache und setzte  zum Büro hinüber, klopfte und trat ein. Niemand da. Ich rief laut, aber keiner antwortete. Die Elektronikgeräte auf der Wache veränderten laufend ihre Displays. Strom schien es also zu geben, aber keine Menschen. Die Kleidung von Lars und Ole lag auf der Erde und ein paar Seekarten. Was war hier los? Irgendwie waren alle wie weggebeamt, genau wie auf dem Schiff. Komisch, dass da überall  die Kleider  rumlagen. Nackig durchs Weltall,  fuhr es mir durch den Kopf, doch ich ermahnte mich jetzt erstmal das Problem zu erkennen, bevor ich mich lustig machte.  Auf meine Handyanrufe meldete sich niemand. Ich beschloss über den Deich nach Hause zu gehen. Oben auf dem Parkplatz waren Autos ineinander gefahren, jede Menge Blechschäden, aber  keine Menschen, die sich darüber aufregten, kein Blut. Vorne auf der Straße waren besonders viele Autos verunfallt, einige lagen im Straßengraben und einige waren in Geschäfte hineingefahren. Oft lagen Fahrräder daneben. Zwei Autos lagen auf dem Dach. Die Straßen waren von den Fahrzeugen verstopft. Überall Glassplitter. Ein PKW war durch einen Bus  völlig zerquetscht, aber nirgendwo eine Spur von den Fahrern oder Insassen. In allen Autos steckten  die Zündschlüssel, Kleider und Taschen und Sandalen lagen in den Wagen  und auf den Gehwegen verstreut. Die Fahrräder der Strandbesucher standen so wie immer an den Holzpfosten des Fahrradabstellplatzes. Ich schloss mein Rad auf. Diese Stille war  so unwirklich, dieses Leblose. Ich war ganz allein. Mein Herz klopfte bis zum Hals.
Vorsichtig  radelte ich durch die kleine Stadt und durch das  anschließende kleine  Kiefernwäldchen nach Hause. Überall  lagen Spielzeug und Strandtaschen auf den Bürgersteigen. Ich streifte  ein Dreirad mit meinem Fahrrad. Zuhause sah  alles aus wie immer, als ich die Türe auf schloss. Ich machte das Fernsehen an, aber es gab  nur Schnee auf der Mattscheibe. Auch mein Internetzugang war zusammen gebrochen. Das Radio krischte bloß und quietschte in allen Frequenzen. Nachdem ich  gegessen hatte,  beschloss ich zur Polizeistation  im Ort zu gehen. Die Türen standen offen und so konnte ich in alle Räume hinein. Keiner da, keiner, noch nicht mal jemand  in der Untersuchungszelle. Uniformen lagen auf der Erde, Handschellen, Ausweise, sogar drei Pistolen. Ob hier alles verstrahlt war? Gab es hier irgendwas, das speziell  alle Menschen zerstrahlt hatte? Vielleicht Strahlen, die an eine bestimmte Stelle im menschlichen Erbgut andockten? Warum lebten die Hunde noch, die ich unterwegs gesehen hatte und die Schafe und Kühe, die ich in der Ferne hatte weiden sehen?  Hatte ich als Mensch überlebt, weil ich unter Wasser gewesen war, als sich dieses Irgendwas ereignet hatte?  Würde es mich auch noch zerstören, nur später? Gab es vielleicht Taucher, die das  Ereignis unter Wasser auch überlebt hatten, so wie ich? Ich nahm die Pistolen, Patronen, die Handschellen ,die Schlagstöcke und die Schlüssel aus der Polizeistation an mich. Ich beschloss, obwohl es schon dunkel war,  in das nahe gelegene Naturkundemuseum zu gehen, denn dort reinigten sonst  immer Taucher die riesigen Fischbecken. Vielleicht würde ich dort eine Menschenseele treffen, die mehr wusste.  Als ich ankam waren die Türen geschlossen. Ich kletterte über den hohen Maschendrahtzaun in das Gelände. Die Alarmanlage löste einen schrillen Heulton aus. Niemand kam. Wieder lagen überall Kleidung und Kram in den Museumsräumen. Robben schwammen in den Becken und bellten. Vielleicht hatten sie Hunger?  Ich war froh, als die Alarmanlage nach  Minuten wieder aufhörte. Sie war  so verstörend laut  in dieser Stille. Die Fische schwammen scheinbar  wie immer in ihren riesigen Becken. Taucher fand ich keine. Ich sollte jetzt besser zurück  nach Hause gehen. Die Straßenlaternen brannten nicht. Bis auf wenige erhellte Geschäfte war es  stockdunkel. Ich stolperte zurück. Der Weg kam mir endlos vor. In der Nacht  schlief ich  schlecht. Würde ich  bis morgen früh auch verschwunden sein? Weg, einfach aufgelöst, wie die anderen? Als es morgens dämmerte konnte ich aber  wieder aufstehen  und ging nochmals  in den Ort. Ich hörte Hundegebell hinter verschiedenen Haustüren. Ich wollte in den  Supermarkt. Seine Türen standen  offen. Überall in den Gängen standen Einkaufskörbe, voll mit Waren und Einkaufstaschen in denen  Hausschlüssel und Portemonnaies  lagen.  Ich nahm mir ein paar Äpfel, Bananen, Müsli, Sojamilch und  Mineralwasser aus den Regalen. Einen Orangensaft trank ich gleich vor Ort und entsorgte ihn in einem der Einkaufswagen. Eine Kasse war noch offen. Ich legte einen  20 Euro-Schein hinein. Irgendwie, weil man das immer so macht. Ich hätte genauso gut  auch alle Geldscheine aus der Kasse rausholen können. Im Backshop suchte ich mir ein paar Teilchen aus und versuchte die Kaffeemaschine an zu machen. Leider funktionierte das nicht. Trotzdem setzte ich mich an einen der  Tische und krümelte ihn mit meinen Kuchenstücken voll. Zwei Katzen streunten zur Türe hinein, liefen zielstrebig durch den ganzen Laden, sprangen in die Fleischtheke und begannen zu fressen. Ich scheuchte sie weg. Irgendwie musste ich die Türe verrammeln. Als ich sie geschlossen hatte war ich froh, dass  das Viehzeug  jetzt draußen bliebe. Und was sollte ich jetzt machen? Worauf sollte ich warten? Vielleicht könnte ich mit einem der Autos zur Fähre fahren, vielleicht mit dem schwarzen  SUV, den ich unterwegs gesehen hatte. Die Zündschlüssel steckten ja, aber  die Straßen waren, mindestens in der Stadt, von den Unfallwagen verstopft - und außerdem, die Fähre würde doch sowieso nicht  fahren, tadelte ich meinen Optimismus.  Vielleicht sollte ich lieber mit irgendeinem der freier stehenden Autos über die Insel patrouillieren, vielleicht sogar mit einem Cabrio, falls es da eins gäbe, das Sprit im Tank hätte. Ich war selbst erstaunt welcher Quatsch gerade in meinem Kopf herumspukte, als wenn die Situation hier nicht befremdlich  genug wäre. Ich nahm mir ein paar Portemonnaies und  Hausschlüssel aus  den  Warenkörben im Supermarkt und wollte zunächst mal das  Haus auf zu suchen, dessen Adresse ich einem Personalausweis entnahm. Unterwegs kam ich an einer Autowerkstatt vorbei, die offensichtlich auch Motorräder reparierte, einem Strandladen, aus dem ich mir einen Strohhut mitnahm, mehreren Restaurants und einem Wolleladen, der auch Souvenirs verkaufte. Ich nahm eine blaue Glasflasche mit, mit  der man gut eine  Flaschenpost schicken könnte und einen großen Leuchtturm.  Warum ich das genau tat wusste ich eigentlich auch nicht.  Als ich ihn aus dem Regal nahm bemerkte ich einen kleinen Hund, der  sich unter der Ladentheke verkrochen hatte. Ich zog ihn vor und nannte ihn Fox. Es tat gut mit ihm zu reden und ihn zu trösten.  Wir zwei zogen jetzt zusammen weiter, an einem Kleiderladen vorbei, vorbei an der Kirche. Halt, ich schob die schwere Türe auf. Vielleicht haben  die dicken Kirchenmauern das Menschenwegbeamen verhindern können? Aber auch hier war niemand zu sehen. Ich rief in den Kirchenraum hinein, nichts rührte sich. Vorsichtig schob ich die Vorhänge der Beichtstühle zurück-leer. Draußen kamen wir noch an einem Spielzeugladen vorbei, einem Möbelladen und der Bank. Aus Neugierde betrat die Bank. Nichts rührte sich. Würden die Überwachungskameras funktionieren, fragte ich mich, immerhin blinkten sie. Ich kletterte über den Bankschalter. Geldscheine lagen dort und der rote Alarmknopf war zu sehen. Vielleicht könnte ich ihn drücken? Wozu eigentlich ?  Ich sah mich weiter um und ging die Treppe hinunter in den Schließfachraum, aber die Glastür davor war verschlossen. Also suchte ich nach dem Schlüssel. Er lag hinter dem Tresen, auf dem Boden. Ich brauchte  ja kein Geld, aber ich wollte mal schauen, was in so einem Banktresor oder in den Schließfächern drin ist. Wertpapiere vielleicht, Geldscheine, Gold, Goldbarren? Ich könnte aus den Goldbarren, die ich finden würde, meinen Grill im Garten abzirkeln und dann die  Wertpapiere und das ganze andere Papierzeug aus dem Tresor zum Feueranzünden nehmen. OK,  aber nicht jetzt. Jetzt  ging ich erstmal weiter durch die Stadt. Ein paar Hunde bellten. Sie mussten Hunger haben. Ich holte mir einen dicken Stein, warf bei ein einigen  Häusern die Fenster ein, öffnete sie an den Griffen  und so konnten wenigstens paar eingesperrte Hunde oder Katzen raus. Hoffentlich gab es nicht zu viele Käfigvögel oder Schildkröten, Hamster, Meerschweinchen oder Hasen in den Häusern, ich konnte ja nicht alle retten. Sie würden verhungern und verdursten. Plötzlich blieb ich vor einem Juwelier stehen. Dort hatte ich früher  mit Freunden schon immer über die wahnsinnig teuren, protzigen, viel zu dicken und unpraktischen, goldenen Uhren gelästert und die hübschen Goldkettchen und Diamanten bewundert. Ich warf einen Ziegelstein in sein Schaufenster. Er prallte ab und eine Alarmanlage begann  minutenlang ohrenbetäubend  zu heulen. Das Schaufenster hatte bloß Sprünge bekommen. Fox und ich liefen erstmal weg. Eigentlich  wollte ich ja in eines der  Häuser, dessen Schlüssel ich im Supermarkt gefunden hatte. Da war es. Eine prachtvolle Villa mit großer Freitreppe und riesigem gepflegtem Garten. Würden das jetzt  hier meine letzten Tage und Stunden werden? Ich schloss die schwere Eichentüre auf. Die große Freitreppe führte aus der Halle in die Wohnräume. Ich machte  eine Hausbesichtigung. Die Küche war gut bestückt, ein  angeschnittener Marmorkuchen stand auf dem Tisch,  die Badezimmer waren alt und vergammelt. Irgendwie wirkte alles zu groß, zu hoch, zu dunkel. Ein „zu“ –Haus, aber irgendwie nostalgisch schön. Ein altmodisches Schlösschen mit lauter zu antiken Möbeln. Im Schlafzimmer fanden sich die Schmuckstücke der Familie  in einer Schatulle. Schon sehr  hübsch, aber nichts  für mich. Ich legte sie zurück, blickte auf den  herrlich blauen Swimmingpool. Er war leer. Ein großer goldener Retriever  kam  schwanzwedelnd auf mich zu. Er begrüßte Fox. Na, du bist mir  ja vielleicht ein Wachhund, tadelte ich ihn freundlich. Dann  machten Fox und ich  uns zurück auf den Weg in mein Haus. Der Retriever folgte uns in einigem Abstand. Früher hätte ich gedacht, ich würde in solch einer Situation verrückt werden, aber es war alles  ruhig in mir. Ich wunderte mich, dass noch keines der Häuser in der Stadt brannte, denn irgendwer hatte sicher gerade gebacken oder gekocht bevor er verschwand. Aus einigen wenigen Häusern hatte ich Wasser die Treppen herunter laufen sehen.   Alle Häuser,  deren Schlüssel ich besaß, kontrollierte ich jetzt  systematisch  und ließ die Haustürschlüssel  stecken. Ich war jetzt eine Herrscherin ohne Volk.  An meinem Bein juckte es. War dies jetzt der Anfang auch von meinem Ende?  Nein, es sah  eigentlich nur aus wie ein Mückenstich. Ich griff mir in die Haare. Ein  verstärkter Haarausfall war nicht  zu erkennen. Ich rief in die Gegend hinein, aber nichts geschah. In der Ferne muhten ein paar Kühe. Dann setzte ich meine Türöffnungswanderung fort. Was sollte ich sonst tun? Ich war froh, dass ich  wenigstens den Haustieren helfen konnte.  Manches Meerschweinchen, das ich aussetzte, floh erstmal in die Büsche. Katzen miauten mich vorwurfsvoll an, wenn ich die Haustüren aufschloss. Die Hasen und Käfigvögel waren am schnellsten weg. Einige Hunde verkrochen sich, als ich die Haustüren aufschloss, andere sprangen geifernd gegen die Türen. Die ließ ich lieber erstmal eingesperrt. Ich musste mir einen Plan machen, wo noch welches Tier ab zu holen wäre. Aus einigen  Postkästen zog ich die Zeitungen von gestern. Auch sie ergaben keine brauchbare Analyse meiner Situation. Dann trödelte ich zum Supermarkt, erstmal etwas Fleisch für mittags zu  holen. Hoffentlich waren die Katzen nicht zu sehr darauf herumgeturnt. Das wär mir doch ekelig. Gerade als ich hinter der Fleischtheke stand  fiel der komplette Strom im Laden aus. Das musste der letzte Saft aus einem Notstromaggregat für die Kühlung gewesen sein. Ich raffte so viel Fleisch wie ich konnte zusammen und warf es auf die Straße für die Hunde und Katzen, die überall herumlungerten. In ein paar Tagen würde der Supermarkt von dem verfaulenden Fleisch stinken und die Fleischtheke würde sich in eine klebrige, schleimige, grünliche  Masse verwandeln. Für mich selbst  nahm ich mir etwas Fleisch zum Grillen, ein bisschen verpackten Käse,Plätzchen, Kakaopulver und Kartoffeln aus den Regalen. Zusammen mit Fox saß ich später am Grillfeuer und las die Zeitungen nochmal sorgfältig. Nicht mal die Börsenkurse waren gestern abgestürzt. Anschließend ging ich nochmal in die Stadt. Dort entdeckte ich in einer etwas abgelegenen Straße einen Bauernhof, den ich noch nie bewusst wahrgenommen hatte. Kühe muhten laut. Ich brach das Hoftor auf und scheuchte fünf Schweine und acht Kühe  ins Freie. Die beiden Pferde führte ich  in meinen den Garten und tränkte sie. Hoffentlich würden ihre Stallgenossen, die ich in die Welt entlassen  hatte, ausreichend Wasser finden. Ob das Wasser hier verstrahlt war? Ich selbst wollte lieber erstmal von den Wasservorräten   aus  der Getränkeabteilung im Supermarkt leben. Die hatten dort auch kistenweise Bier. Schade, dass kein Strom mehr zur Kühlung da ist. Anschließend radelte ich wieder zum Naturkundemuseum. Es waren noch Futterfische da, die ich an die Robben verfütterte. Aber was fraßen die Fische in den Aquarienbecken? Ich hätte gerne die Schleifhexe  aus der vorzüglich ausgestatteten Werkstatt genommen  und  den großen Robben  die Absperrungen weggesägt, damit sie zum Meer robben könnten, aber ohne Strom musste ich  die Absperrungen mit der Brechstange niederbiegen. Das war extrem mühsam, aber wider Erwarten klappte es. Die Geländer bogen sich und ich legte Holzbohlen über sie, so dass die Robben raus konnten, wenn sie wollten. Die kleinen Heuler würden ganz sicher eingehen. Es war so traurig, als ich sie da liegen sah, so hilflos mit den großen schwarzen Augen, bald vielleicht tot, wenn nicht ein Wunder geschehen würde. Vielleicht würde ich sie erschießen müssen. Ich musste das erste Mal weinen. Das Licht war  aus, die Sauerstoffanlagen auch. Ich fütterte den Fischen die Pulver, die nach Fischfutter aussahen. Auf dem Rückweg in mein Haus warf ich voller Wut  einen dicken Stein  in die Auslage des Juweliers. Diesmal zersprang die Scheibe. Ich nahm die dickste Uhr heraus. Hässlich und irre teuer. Ich hatte Lust sie in meiner Wut zu zertreten. Sie war in einer Manufaktur handgefertigt worden. Na, der Uhrmacher hatte schließlich keine Schuld am Design. Ich tat sie in meine Tasche, nahm  mir ein  paar  Goldketten und ein wirklich schönes Armbändchen aus dem Schaufenster. Aber  was nutzen einem die schönsten Dinge der Welt, wenn man sie nur ganz für sich  alleine hat? Alles war da, aber niemand freute sich mit mir darüber. Nicht mal ich selbst. Ich hängte Fox und dem Retriever  je ein Goldkettchen um den Hals. Am Kiosk holte ich mir dann ein paar Salmiakpastillen und Zigaretten und als Bezahlung legte ich die hässliche Golduhr auf den Tresen. Vielleicht konnte ich  dieZigaretten  aus diesem Laden brauchen, um einfacher Feuer in meinem Garten zu machen. Zeitungen von gestern nahm ich  als Anzündepapier für mein Grillfeuer auch noch mit. An diesem  zweiten Abend, als ich wieder an meinem Grill saß,  kamen langsam  immer mehr Hunde in meinen Garten. Einer fletschte richtig die Zähne und starrte unverwandt auf das gegrillte Rippchen, das ich aß. Im Nachbargarten  trug  eine Katze  ein zappelndes Meerschweinchen unter die Hecke. Die Hunde hatten die Katze nicht bemerkt. Sie starrten auf mein Fleisch. Ich gab ihnen nichts ab, sonst würde der Futterneid  noch zu  Raufereien führen oder  vielleicht würden sie mich sogar direkt angreifen. Ich sollte die Pistolen näher bei mir lagern.  Als es wurde dunkel wurde, heulten  Hunde in der Ferne. Wie lange würde das so bleiben? Ich fiel in einen tiefen Schlaf. Fox und der Retriever lagen vor meinem Bett. Mein Schlafzimmer war fest verrammelt. Noch immer war ich kerngesund. Am nächsten Morgen Frühstück wie gestern, Gang zum Naturkundemuseum, um nach den Heulern zu sehen. Sie waren tot. Zerfetzt lagen sie in den Gehegen. Die Hunde hatten sie offenbar tot gebissen. In den Aquarien schwammen die ersten Fische mit dem Bauch nach oben.  Eine große Robbe lag schwer verletzt unter einem Strauch. Ich musste ihr was gegen Schmerzen besorgen und Desinfektionsmittel für die Wunde. Noch brauchte ich sie nicht zu töten. Ich fuhr  mit dem Rad zu einer Arztpraxis, nahm mir alles, was ich für brauchbar hielt, versorgte die Robbe, auch mit Fischen, die schon ein bisschen strenger rochen. Sie fraß kaum was, dafür stromerten ein paar Katzen herbei und suchten sich die Fische. Ich würde bei der Robbe Wache halten müssen, wenn ich nicht wollte, dass die Hunde wieder kämen. Plötzlich wurde ich von drei Schweinen umringt. Ich weiß nicht, ob es welche von denen waren, die waren, die ich frei gelassen hatte, aber sie schauten mich ebenso verdutzt an wie ich sie und grunzten der Robbe entgegen. Dann lagerten sie sich in Sichtweite. Ich wollte diese Robbe so gerne retten und auf das Meer hinausschwimmen sehen. Irgendetwas Konstruktives wollte ich gerne  in meinem Leben noch zustande bringen. Den Tag über beschäftigte mich ihre Pflege. Ich brachte ihr sogar den  Leuchtturm aus dem Souvenirladen mit, erzählte ihr Geschichten und schüttete gelegentlich Salzwasser aus dem Bassin über sie. Sie lag den ganzen Tag recht ruhig auf einer Stelle. Was brauchen Robben eigentlich  zur Schmerzstillung und vor allem in welcher Dosierung?  Der Tag verlief mit Krankenpflege, bis es zu dämmern begann. Ich und die beiden Hunde legten uns unter einen Busch in der Nähe der Robbe. In der Dunkelheit heulten von fern wieder Hunde. Das erimmerte mich daran, dass ich die  richtig aggressiven Hunde in ein paar Häusern  immer noch nicht rausgelassen hatte. Sie würden jetzt sehr dursten. Fox drängte sich an mich. Wir beide hatten Angst. Morgen sollte ich das Schiff klar  machen für ein paar Tage auf See, entschloss ich mich. Fox und den Golden Retriever würde ich mitnehmen. Als Wasserhund könnte der Retriever mir mal  von Nutzen sein. Im Supermarkt waren noch jede Menge Hundefutterdosen. Die Robbe war schon schwieriger. Wie kriegt man eine Robbe auf ein Schiff? Welches Dauerfutter hatte ich für sie? Wohin waren die anderen Robben aus dem Naturkundehaus gerobbt? Die Pferde müsste ich morgen aus meinem Garten herauslassen. Die Hunde waren  schon aggressiv gegen sie  geworden.  Vielleicht würden sie sie bald  anfallen. Würde ich es morgen  mit dem großen Schiff bis zum Festland schaffen? Was würde mich dort erwarten- auch keine Menschen, so wie hier? Ich war verunsichert, aber außer mir  und den Tieren gab es hier auf der Insel gab es  nur Dinge, die niemand mit mir teilen will, Dinge die so nutzlos geworden waren. Eine Welt voller Dinge und ohne Menschen ist so seltsam. Ja, morgen wollte ich in See stechen  und schauen, wie es auf dem Festland aussah.